Telefon 08052 - 2962

Die Steinling-Alm von gestern bis heute

Die Steinlingalm liegt zwischen dem Gipfel der Kampenwand und ihrem Vorberg, dem Sulten. Die Höhenlage vom Kaser (der heutige Berggasthof) liegt bei 1467 Meter ü.d.M. Das Almgebiet liegt zwischen 1270 und 1500 Meter ü.d.M. Der Almname „Steinlingalm" ist höchstwahrscheinlich vom steinigen Almgelände her zu erklären.

Heute umfasst die Almfläche der Steinlingalm auch das Gebiet der früheren Sulten Alpe, die man auch Sutten oder Oberebnath nannte. Die Almfläche der Steinlingalm ist seit 1875 im Grundeigentum der Familie von Cramer-Klett und stellt heute eine Enklave im sie umgebenden Staatsforstbesitz dar. Eine Besonderheit in den Chiemgauer Bergen ist, dass neben dem Eigentumsrecht an Grundflächen alte Almweiderechte bis heute erhalten sind. Ein Almweiderecht ist an eine Hofstelle gebunden und berechtigt den Bauern, dass er sein Vieh auf der Alm sömmert. Auf der Steinlingalm hatte der Aufinger von Aufing aus Bernau mit 16 Rinderrechten bis vor wenigen Jahren ein Almweiderecht inne. Als Baron Theodor von Cramer-Klett 1875 nicht nur das Schloß Hohenaschau, sondern auch einen großen Wald- und Almbesitz im Priental kaufte, fiel auch die Steinlingalm darunter. Damals hatten bereits viele Bauern ihr Almweiderecht abgelöst. 1842 waren neben dem Aufinger von Aufing 17 weitere Bauern auf der Steinlingalm Almberechtigte. Baron Cramer-Klett löste weitere Almrechte der Bauern mit Geldzahlungen ab. Nur der Aufinger behielt seine Almweiderechte nach einem Rechtsstreit. 1923 wurde die „Alm- und Weidegenossenschaft Niederaschau" (später Interessengemeinschaft) gegründet, an die von Cramer-Klett seine Weiderechte bis 1962 verpachtete. Heute gibt es die Interessengemeinschaft Steinlingalm, deren Mitglieder das Vieh für den Almweidebetrieb stellen. Jedes Jahr verbringen so rund 60 Rinder den Sommer auf den Almwiesen zwischen Kampenwand und Sulten. Ohne einer Beweidung der Almwiesen würden sich Latschen und Bergwald diesen besonderen Lebensraum mit der faszinierenden Artenvielfalt an Blumen und Pflanzen innerhalb weniger Jahre zurückerobern.

Der Beginn der Almwirtschaft auf Steinling

Um eine Almwiese zu erhalten, mussten Bauern zuerst den Wald und die Latschen roden. Dies geschah am Nordhang der Kampenwand vermutlich im 15. Jahrhundert. Im Salregister von 1460 des damaligen Herrschaftsinhabers von Hohenaschau, Christof von Freyberg, wurde der Schmalzzins auf den „Kamppen" und im „Gödrich" (vermutlich die Gedereralmen) erwähnt. Ob es sich dabei bereits um die Steinlingalm handelte, oder die niedriger gelegene Dauersiedlung Gschwendt, bleibt jedoch offen. Bereits im 12./13. Jahrhundert gründeten Klöster und Adelssitze sogenannte Schwaigen als Dauersiedlungen in den bayerischen Alpen. Die Bauern der Schwaigenhöfe erhielten von ihren Grundherren anfangs sechs Kühe gestellt und mussten fortan Käse und Schmalz abliefern.

Aus dem Jahre 1529 findet sich in den Archivalien erstmals eine "Albm Kamppen". Hierbei handelt es sich höchstwahrscheinlich um das Gebiet der heutigen Steinlingalm. Damals mussten 18 Almfahrer etwa 100 Pfund Schmalz abliefern. Vom Jahre 1541 gibt es noch einen Almbrief für die „Albm Obern Emant und Stainlach auch Gödrich an dem Gebürg die Kamppen". Im Jahre 1858 bestanden noch die drei Almdörfer Sulten, Gederer und Steinling. Damals hatten die meisten der berechtigen Almbauern einen eigenen Kaser für die Versorgung ihres Viehs und die Unterkunft des Almpersonals. So entstanden richtige Almdörfer.

Damals waren neben den Aschauer Grundholden auch vier von Kloster Frauenchiemsee und zwei von Wildenwart berechtigt. Die Anzahl des aufzutreibenden Viehs je Almfahrer war nicht festgelegt. Jeder durfte mit soviel Stück auffahren, wie er den Winter über füttern konnte. Jeder der Almfahrer war verpflichtet, jährlich soviel Zinskäse an die Herrschaft Hohenaschau abzuliefern, wie er von der Milch, die von einem zum anderen Mittag anfiel, produzieren konnte.
Da diese Regelungen immer wieder zu Unstimmigkeiten führte, wurde die Käseregelung in eine Geldabgabe umgewandelt. Künftig hatte jeder, egal ob er auffuhr oder nicht, jährlich am St. Egidienstag (1. September) 2 bzw. 3 Kreuzer abzuliefern, die 4 Khimbseeischen (Abgabepflichtigen zum Kloster Frauenchiemsee) hatten 4 Kreuzer abzuliefern.

Zur Geschichte des heutigen Berggasthofs Steinling-Alm:
Ursprünglich war das Gebäude des heutigen Berggasthofs der Kaser des Aufinger: Der Aufinger hatte ursprünglich keinen Kaser auf Steinling. Im Jahr 1900 wurde sein Antrag auf einen Neubau genehmigt. Im Jahr 1908 und 1929 erfolgten An- und Umbauten und 1935 ein Erweiterungsbau. Ein Käserholzrecht (das Recht, auf dem Almgelände Holz für den Bau des Kasers zu schlagen) bestand nur für die Bausubstanz von 1900, jedoch nicht für die Anbauten. 1951 wurde die Steinling-Alm nochmals umgebaut und ein Stockwerk aufgesetzt.

Heute ist die Steinling-Alm ein sehr beliebter Alpen-Gasthof und wird von der Familie Stein bewirtschaftet.

(Quelle: Rupert Wörndl: Wälder und Almen im Priental. 2008. Bd. 2 der Chronik Aschau im Chiemgau)

Die Sage von der Steinlingalm

Vor langer Zeit sind große Steinbrocken aus dem Kampenwandmassiv gebrochen und heruntergestürzt, die seitdem in der Umgebung der heutigen Steinlingalm liegen geblieben sind. Natürlich waren zuerst die Steinbrocken da und die Gebäude wurden dazwischen gebaut.

Aber eine Sage schildert ein anderes Geschehen:
Der Pfarrer von Bernau hatte damals mit einigen Burschen ein arges Kreuz, denn sie kamen nicht mehr regelmäßig zum Sonntagsgottesdienst, im Sommer schon gar nicht. Traurig schaute der Pfarrer über die leeren Kirchenbänke durch das Kirchenfenster zur Kampenwand hinauf. Dort oben gab es eine herrliche Alm, umgeben von saftigen grünen Wiesen, die noch nicht von Steinbrocken umgeben war.
Ja, und dort oben auf der Alm, da gab es eine wunderschöne, brave und tüchtige Sennerin. Jetzt kennen wir auch den Grund, warum die Burschen nicht mehr zum Gottesdienst erschienen: Jeden Sonntag waren die Burschen oben bei der Kampenwand. Dort oben war es schön, bei dem Klang der Zither wurde getanzt und an Speisen und Trank wurde auch nicht gespart. Dies ging noch einige Zeit gut, bis der Pfarrer wieder traurig über die leeren Kirchenbänke zur Kampenwand schaute. Er fing an gegen die Burschen zu schimpfen, so laut wurde er mit seiner donnernden Stimme, dass die Eltern der Burschen den Pfarrer erhörten. Für die Burschen kam eine harte Woche, weil die Eltern ihnen hart zusetzten. Doch die Burschen ließen sich nicht bekehren. Am nächsten Sonntag waren Sie wieder oben bei der Kampenwand und auf der Alm ging es noch wilder zu als je zuvor.

Das Läuten der Kirchenglocken wurde von den Burschen mit Hohngelächter begrüßt, als dann das "Wandeln" ertönte, ergriff einer der Burschen einen Laib Käse und äffte die heilige Handlung nach. Da half auch die Warnung der schönen Sennerin nichts mehr. Die Burschen waren mit vollem Gelächter bei dem bösen Spiel und empfingen kniend den Segen mit dem Laib Käse.

Da brach das Strafgericht Gottes über die Burschen herein. Niemand konnte sich mehr bewegen. Der Himmel hat die Gotteslästerer zu Steinbrocken erstarren lassen. Die schöne Sennerin rannte wie verrückt ins Tal hinab und brach am Kirchentor zusammen. Ihre letzten Worte gaben der Gemeinde die Nachricht über das göttliche Strafgericht.

Ob es wohl so gewesen ist?

Nun, das zu glauben bleibt wohl jedem selbst überlassen ... .

(Quelle: Max Ziegmann: Aschau, wie es früher war. Selbstverlag, 1964)

Das Chiemgaukreuz auf dem Ostgipfel der Kampenwand

Im Sommer 1950 schleppten zahlreiche freiwillige Helfer vor allem aus Höslwang und Pittenhart etwa 416 Zentner Baumaterial zur Errichtung des geschmiedeten Eisenkreuzes auf die kleine Plattform des Ostgipfels der Kampenwand. Das Eisenkreuz folgte, in Teile zerlegt mit dem Pferdegespann, per Bahn von Prien nach Aschau und von dort mit dem Mulifuhrwerk auf den Berg. Händisch wurde es mit Seilen und Stangen das letzte Stück auf den Felsen gezogen. Am 24. September 1951 wurde das Kreuz im Beisein von einigen tausend Zuschauern aufgerichtet. Seitdem steht es auf dem 1664 m hohen Ostgipfel der Kampenwand und ist das mit 12 Metern höchste Bergkreuz der Bayerischen Alpen.

Das Chiemgaukreuz hat eine besondere Geschichte: Es ist den Gefallenen, Vermissten und Verstorbenen der beiden Weltkriege aus dem Chiemgau gewidmet. Die Idee zur Errichtung des Kreuzes hatte der Höslwanger Schreinermeister Franz Schaffner, der in seinem Nachbarn, dem Schmiedemeister Josef Hell, einen Mitstreiter fand. Dieser schweißte in mühevoller Arbeit vorwiegend aus Alteisen (Sauerstoffflaschen, Panzerteilen etc.) das zwölf Meter hohe Eisenkreuz Stück für Stück zusammen. Die beiden fanden mit der Idee, auf dem Kreuz auf dem Gipfel der Kampenwand an die Gefallenen und Toten der beiden Weltkriege zu erinnern, viele Helfer.

Seitdem findet jedes Jahr am letzen Sonntag im August ein Gedenkgottesdienst an die Toten der beiden Weltkriege auf der Steinlingalm statt.

Die Gedenkkapelle

Schon der Erbauer des Chiemgau-Kreuzes Josef Hell trug sich mit dem Gedanken, nahe der Almhütten der Steinlingalm eine Kapelle zu errichten. Es vergingen 25 Jahre, bis seine Idee Wirklichkeit wurde. 1976 wurde die kleine Kapelle östlich der Steinlingalm zu Ehren „Maria, Königin des Friedens" eingeweiht.